Horrorclown » Lights Out » Reviews » Lights Out Review

Lights Out Review

Wenn unsere Urängste wahr werden

Die Angst vor der Dunkelheit liegt wohl jedem Kind mit in der Wiege. Aber auch wir Erwachsenen fürchten uns vor dem Unbekannten, dass im Dunkeln lauert. Lights Out möchte diese Angst aufgreifen und uns zeigen, dass das Licht Nachts brennen sollte. Ob der Film dies schafft, lest ihr in unserem Review.

lights-out-shortfilm

Der original Kurzfilm

Lights Out begann seine Geschichte als ein dreiminütiger Kurzfilm von David F. Sandberg, der sich nicht lange mit ausschweifender Komplexität, Charakter-Entwicklung und einprägsamen Dialogen beschäftigt hat. Und dennoch konnte dieser Kurzfilm mehr Grusel und Atmosphäre aufbauen, als manch zwei Stündiger Blockbuster. Wahrscheinlich war es diese Einfachheit, die dem Film eine große Bekanntheit verlieh und er als virales Phänomen in den sozialen Medien umherging. Dieser Erfolg führte wohl dazu, dass Sandberg den Film auf die große Leinwand verfrachten wollte und sich dabei an Vorlagen wie Der Badadook oder Unbekannter Anrufer (When a Strangert Calls) orientierte. Doch während es den Autoren der vorgenannten Filme gelang, eine kurze Handlung effektiv in einen Abendfüllenden Film zu schreiben, geht Lights Out nach kurzer Zeit die Luft aus.

Die Geschichte

lights-out-1200x630-c

Hier wird bald wer sterben…

Lights Out beginnt mit einer Szene, mit der die Macher des Films den Kurzfilm einbauen wollten. Als Schauplatz dient dieses mal eine Fabrik nach Sonnenuntergang. Eine Angestellte (gespielt von Lotta Losten, die bereits im Kurzfilm die Heimgesuchte Person war) nimmt eine weibliche Figur wahr, die sich stets offenbart, wenn das Licht aus ist und verschwindet, wenn es wieder eingeschaltet wird. Jedes mal kommt dieses Wesen der Angestellten etwas näher. Dieses mal überlebt sie aber während der Fabrikbesitzer (gespielt von Billy Burke) ein furchtsames Ende nimmt. Kurz bevor er stirbt, telefoniert er noch mit seinem Sohn Martin (Gabriel Bateman) und bespricht mit ihm die Situation der Mutter Sophie (Maria Bello), die ihre Medikamente nicht mehr einzunehmen scheint und mit einer imaginären Freundin namens Diana spricht.

Dann steigen wir einige Monate nach dem Tod von Martins Vater wieder ein und Sophies Situation hat sich rapide verschlechtert. Ihre Gespräche mit Diana und die seltsamen Geräusche und das Kratzen in der Nacht verängstigen Martin so sehr, dass er nicht mehr schlafen kann. Dies führt dazu, dass Martin mitten im Unterricht einschläft und die Schul-Krankenschwester versucht Sophie zu erreichen. Als dies nicht gelingt, wendet sie sich an Martins Stiefschwester Rebecca (Teresa Palmer), deren eigener Vater vor einigen Jahren spurlos verschwunden ist. Rebecca hat sich von Sophie abgekapselt und ist vor langer Zeit ausgezogen. Rebecca will Martin zunächst zurück zu ihrer Mutter Sophie bringen, aber als sie mitbekommt, wie heruntergekommen der Zustand zu Hause ist und Martin den Namen Diana erwähnt, nimmt Rebecca den Jungen mit zu sich. Denn Rebecca erinnert sich an Diana, sie hat ihr in ihrer eigenen Jugend bereits Angst gemacht.

Rebecca versucht zunächst, Martin bei sich zu behalten doch nachdem Diana auch in Rebeccas Wohnung auftaucht und Sophie die Rückkehr von Martin einfordert, beginnt sie der Sache auf den Grund zu gehen, wer oder was Diana ist und was diese mit Rebeccas Familie zu tun hat. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, kann verraten werden, dass Diana ein Wesen ist, dass nur in der Dunkelheit Gestalt annehmen kann und vom Licht vertrieben wird. Nachdem Dianas Angriffe auf die Familie überhand nehmen, quartiert sich Rebecca zusammen mit ihrem Freund Bret (Alexander DiPersia) bei Sophie ein. Sie treffen Vorkehrungen, dass das gesamte Haus erleuchtet bleibt und wollen dafür Sorge tragen, dass Sophie wieder ihre Medikamente einnimmt. Denn Sophies Labilität und Dianas Auftauchen, scheinen mit einander verknüpft zu sein.

lights-out-10-rcm0x1920uNatürlich wehrt sich Diana gegen die ungebetenen Gäste. Die Lichter gehen aus und der Kampf ums Überleben beginnt.

In der Kürze liegt doch die Würze

Auch wenn Sandberg selbst der Direktor ist, steht als Co-Produzent ein sehr bekannter Name auf der Leinwand: James Wan. Dieser hat das Horror Genre mit Filmen wie The Conjuring und Insidious wiederaufleben lassen und frischen Wind verliehen. Wan hat die Kunst perfektioniert, den Zuschauer mit seichten Effekten und Jump-Scares zum Gruseln zu bringen. Wenn diese Zutaten richtig eingesetzt werden, wie es beim ersten Conjouring Film der Fall war, erhält man einen wirklich furchteinflößenden Film, der einen nachts nicht schlafen lassen wird. Setzt man den subtilen Horror aber nicht im richtigen Moment und im richtigen Maß ein, dann erhält man einen Film wie den zweiten Insidious, der auf Teufel komm raus versucht, gruselig zu sein aber dabei Bekanntes zu oft wieder aufwärmt, dass der Zuschauer gelangweilt im Kinosessel einschläft. Und man muss kein Genie sein um zu erraten, in welche Sparte Lights Out fällt – und das nach den ersten fünf Minuten.

lights-out-1Was The Conjouring richtig gemacht hat, war die Mischung aus einem Film, der im Grunde eine sehr gespenstische Geschichte erzählt hat, sich dabei aber genug Zeit ließ um Charaktere aufzubauen, deren Handeln wir verstanden haben, die uns nicht egal waren. Der Film hat eine Geschichte entwickelt, welche die Leichtgläubigkeit mancher Zuschauer nicht überstrapaziert und die Schreckmomente so gut gemischt hat, dass man nicht sofort erahnen konnte, was als nächstes passieren würde. Und dies fehlt Lights Out.

Teresa Palmer und Maria Bello sind zwei ausgezeichnete Schauspielerinnen, aber das Drehbuch konnte deren Talent anscheinend nicht genügend ausreizen. Die Geschichte ist zu vage erzählt. Trotz der intensiven Bemühungen von Rebecca wird nie richtig klar, was Diana wirklich ist und woher sie ihre übernatürlichen Kräfte bezieht. Die Schokmomente sind anfangs noch reichlich vorhanden und auch gut in Szene gesetzt, aber zum Ende hin wird der Film derartig ruhig, dass selbst Zuschauer, die von Natur aus schreckhaft und nervös sind, zur Ruhe kommen und sich den Film Cola schlürfend ansehen können.

Der Stil, in dem Lights Out daherkommt, ist nicht schlecht. Man kann ihn sich ansehen, und für einen Nervenkitzel am Samstagabend reicht er auch aus, aber der große Schocker, als der er im Vorfeld gehandelt wurde, ist dieser Film nicht geworden. Aber dieser Film gibt einem dennoch Hoffnung darauf, was Sandberg noch leisten kann (im Moment werkelt er an Annabelle 2, ein Nachfolger zu einem Film, der ebenfalls nicht das Potential der Idee ausgeschöpft hat), mit besserem Drehbuch und eventuell mehr Erfahrung. Lights Out ist leider nur eine Fahrt durch bekannte Elemente des Genres geworden. Aber der Mangel an wirklich guten Gruselfilmen soll Lights Out durchaus zum Erfolg verhelfen, damit eine weitere Franchise entstehen kann, aus dem die Macher dann hoffentlich mehr herausholen werden.

Zusammenfassung
Lights Out ist einer jener Filme, die man gesehen haben sollte um die Größe mancher Perlen aus dem Genre wieder zu Schätzen. Der Film ist unterhaltend aber auf sicherlich unfreiwillig komische Art. Dass die Charaktere teils zu kitschig oder berechenbar auftreten, nimmt dem Film die Spannung. Schade, der Kurzfilm war eine tolle Vorlage, um einen Film zu entwerfen, der mich seit The Grudge eventuell wieder zwei Nächte wachgehalten hätte.
Gut
  • Kurzfilm am Anfang mit eingebaut
  • Steile Spannungskurve am Anfang
  • Darsteller ordentlich
Schlecht
  • Spannung nimmt schnell ab
  • Ungewollt komisch
  • Grusel will nicht recht aufkommen
6.5
In Ordnung
Handlung/Logik - 6
Charaktere - 7
Spannung - 4
Soundtrack - 8
Stimmung - 8
Gruselfaktor - 6

Deine Meinung?

0 0

Kommentare

Roland

Kommentar von:

Redaktionsleitung / Administrator

Wie fandet ihr den Film? Würdet ihr ihn eher loben anstatt ihn langweilig zu finden? Schreibt es mir oder verfasst ein User-Review!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du darfst diese HTML Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*