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The Park Review

Eine Achterbahnfahrt durch die Hölle der Psyche

Funcom, die Macher des Horror-MMPROGs The Secret World, bringen mit The Park ein Spin-Off heraus, welches die Spieler in die Abgründe der Psyche einer Mutter führen und dabei ein neues Licht auf den Atlantic Island Park aus TSW werfen soll. Ob es ein gelungenes Horror-Spiel oder nur ein fades Spin-Off ist, erfahrt ihr in unserem The Park Test.

Es war nur ein Experiment, sie wollten etwas neues Lernen. Die Rede ist von den Designern und Entwicklern bei Funcom. Denn diese wollten sich in die neue Unreal 4 Engine einarbeiten. Seit einiger Zeit fehlt es dem Studio aus Oslo ein wenig an Ressourcen, um die eigene Grafikengine weiter zu entwickeln. Also kam die Idee auf, eine leistungsstarke Engine mit genügend Support zu lizenzieren und somit etwas Arbeit abzugeben. Aber auch in die beste Software muss man sich einarbeiten und so kam es, dass man sich ran machte, ein komplettes, kleines Spiel zu entwickeln, um die Tücken und Vorzüge der neuen Engine voll und ganz kennen zu lernen. Das Ergebnis ist The Park. Ein Spin-Off zum MMORPG The Secret World – aber auch ein vollwertiges Horror-Adventure, welches euch die Abgründe der Psyche einer Mutter erkunden lässt, die von Selbsthass zerfressen ist, da sie sich für eine schlechte Mutter hält. Und das alles, wegen diesem Park. Unser Test basiert auf der Presse-Version von The Park, die uns von Funcom für diesen Test zur Verfügung gestellt wurde. Die Screenshots stammen von uns.

Wo ist mein Teddy Bär?

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Dem Alltag entflohen, sieht sich Lorraine dem Grauen gegenüber.

Ein Tag im Freizeitpark ist schon was Tolles. Achterbahn fahren und Zuckerwatte essen machen glücklich und beschäftigen den Nachwuchs für eine ganze Weile. Lorraine wollte mit ihrem Sohn Callum einfach einen schönen Tag verbringen. Der Atlantic Island Park von Kingsmouth bietet dafür genau die richtigen Attraktionen. Autoscooter, Achterbahn und auch eine Geisterbahn runden das Angebot ab. Also den Jungen ins Auto gepackt und ab geht es zum Park. Leider endet ein Tag im Freizeitpark viel zu schnell und der Alltag kehrt in Form eines quengelnden Kindes zurück, dass seinen Teddy-Bär im Park verloren hat. Und was eine gute Mutter ist, kann natürlich nicht ohne das vermisste Kuscheltier wieder verschwinden. Hier machen wir die erste Erfahrung mit dem Gameplay. Mit zaghaften Schritten, sehen wir uns auf dem Parkplatz um und erkunden die Umgebung. Viel gibt es nicht zu entdecken, anscheinend sind Lorraine und ihr Sohn die Letzten, die noch nicht nach Hause gefahren sind. Die Beiden und der Kassierer, der Lorraines Situation direkt erkennt und sie versucht zu trösten. Bis hierhin fiel mir bereits auf, dass sich Funcom sehr viel Mühe damit gegeben hat, die Umgebung und das Spiel an sich anschaulich zu gestalten. Wenn man lange Zeit The Secret World gespielt hat, erkennt man die Gesichter irgendwie wieder. Die Entwickler haben sich an die Vorlagen aus dem MMORPG gehalten und man merkt sofort, dass man sich auf der fiktiven Insel Solomon Island, genauer Savage Coast befinden muss.

Der sonnige Tag erhellt den Parkplatz vor dem Freizeitpark und ich möchte mich gerade genauer mit dem Kassierer unterhalten, da höre ich, wie jemand an mir vorbei und in den Park rennt. Ich selbst sehe ihn nicht, aber der Mann hinter dem Tresen bestätigt, dass Callum in den Park gelaufen ist. Wie das halt ist, wenn man dem Sohnemann nur zwei Minuten vorher gesagt hat, er soll im Auto warten. Also hinterher und zurück in den Freizeitpark, den dämlichen Teddy finden.

Der Park wird auf einmal sehr unheimlich

Der Park wird auf einmal sehr unheimlich

Damit beginnt das Schreckensszenario, denn sobald Lorraine den Park betritt, verdunkelt sich der Himmel und der Park sieht nicht mehr sehr einladend aus. Die Buden sind verfallen, die Musik spielt schrill und außer Callum, der vor uns den Weg entlang läuft, ist niemand anderes zu sehen. Ich folge Callum, rufe ihn immer wieder, aber der Junge findet es witzig, vor mir weg zu laufen. Warum bin ich nochmal hier? Soll der hier doch übernachten. Aber was eine gute Mutter sein will, läuft ihrem ungehorsamen Jungen auch durch einen gruseligen, verfallenen Freizeitpark hinterher. Bis der Junge verschwindet. Jetzt bekommt sie Panik.

Ein Park mit vielen Gesichtern

Die Geisterbahn - sehr vertrauenserweckend

Die Geisterbahn – sehr vertrauenserweckend

Irgendwie ist es mir von Anfang an bewusst, dass ich in die Geisterbahn gehen muss, um Callum zu finden. Aber der Ort ist mir noch zu gruselig und zu dunkel. Da gibt es doch viel schönere Plätzchen. Wie der romantischen Grotte, durch die ich auf einem netten Schwan schippe. Während ich mir das Plätschern des Wassers anhöre, werde ich gut mit der Geschichte von Hensel und Gretel unterhalten. Irgendwie wirkt das alles sehr suspekt, viel zu friedlich. Ich erwarte geradezu, dass etwas ins Bild springt. Etwas gruseliges muss doch passieren. Aber es sind keine Jump-Scares, die mich zucken lassen. Es ist die Anspannung, dass jeden Moment etwas passieren muss. Es gibt diese Momente, in denen es einen gruselt. Wenn die Figuren einen auf einmal direkt ansehen. Aber sonst kann ich den kleinen Ausflug geradezu genießen – wenn ich nicht wüsste, wo ich mich gerade befinde. Die erste dreiviertel Stunde des Spiels sollte man damit verbringen, das Gelände des Atlantic Island Parks zu erkunden und mit allen Fahrgeschäften mitfahren. Zum einen sind dies Momente, in denen man Lorraine und ihre Vergangenheit besser kennen lernt, während sie Selbstgespräche führt und darüber sinniert, was für eine schlechte Mutter sie doch eigentlich wäre. Dann ist da noch die Geschichte des Parks, die mich brennend interessiert hat und die man in Form von Zeitungsartikeln und Poliziei- und Angestellten-Berichten kennen lernt.

Der Park hat eine lange und bewegte Vergangenheit. Schon immer gab es tragische Unfälle und mysteriöse Morde, in deren Schatten das Licht der Fahrgeschäfte hell leuchtet. Sogar Lorraines Freund und Callums Vater fand seinen Tod im Freizeitpark. Da verwundert es nicht, dass Lorraine eine so innige Beziehung zu diesem Ort führt. Was im späteren Spielverlauf noch deutlicher wird. Bis dahin fahren wir Karussell und lassen uns auf der Achterbahn etwas mehr über das Geschehen hier von einem Geist erzählen. Hier und da streut uns Funcom den einen oder anderen der seltenen Schockmomente ein aber sonst ist es eine Reise durch die Vergangenheit des Freizeitparks und der von Lorraine. Die Geschichte faszinierte mich beinahe so sehr, dass ich fast vergessen hätte, dass ich ja eigentlich einen kleinen Jungen suche.

Die Psyche einer Mutter

Home Sweet Home?

Home Sweet Home?

Das Rufen nach Callum ist eine der unheimlichsten Dinge, die man im Spiel tun kann. Denn er antwortet. Mit der rechten Maustaste, ruft Lorraine nach Callum und irgend woher erklingt die Stimme des Jungen. Ob es heißt, ich solle ihn fangen oder aber, ich finde ihn niemals, die Antworten passen sich dem jeweiligen Abschnitt des Parks an. Zuerst spielt er Verstecken, später soll ich ihm helfen. Lorraine wirkt dabei immer aufgewühlter. Sie ruft nach Callum, ihre Stimme überschlägt sich und oft beginnt sie mit uns zu reden, erzählt uns, was für eine schlechte Mutter sie doch sei. Zunächst denke ich mir, sie solle sich nicht solche Vorwürfe machen, es ist ja nicht ihre Schuld, aber je tiefer der Einblick in Lorraines Psyche geht, um weniger bemitleide ich sie, sondern erschrecke vor ihr. Ohne zu groß zu Spoilern kann man sagen, dass Lorraine nicht die ist, für die man sie hält. Das wird einem spätestens, wenn es darum geht, Callum in der Geisterbahn zu suchen, schnell bewusst.

Der Teddy!

Der Teddy!

Bis dahin lohnt es sich auf jeden Fall, alle Fahrgeschäfte mitgenommen zu haben. Die Informationen, die wir auf dem Weg durch den Park finden, ergeben eine aufwühlende Geschichte und erst zum Schluss, finden wir die Taschenlampe,die uns im ersten Abschnitt der Geisterbahn etwas Licht schenkt. Bis hierhin geschafft und mit den Nerven bereits leicht am Boden, wage ich mich in den Schlund. Ab hier hat Funcom nochmal eine Schippe drauf gesetzt, was Kuriosität und Schrecken angeht. Es ist wie ein Trip durch die Abgründe der Welten eines Stephen Kings. Zuerst dachte ich, Funcom will das Spiel etwas in die Länge ziehen und schickt einen deshalb immer wieder durch die selben Kulissen. Erst beim dritten mal ist mir aufgefallen, dass Lorraine ziemlich fertig mit der Welt ist. Ein Junkie, die schon lange keinen Deut mehr um ihr Leben gibt. Oder soll ich bzw. Lorraine das nur denken? Ist der Weg, Stockwerk für Stockwerk tiefer in den Keller des Geisterhaus die Erkundung der Abgründe in Lorraines Geist oder die Art und Weise, wie der Boogieman versucht, Lorraine in den Wahnsinn zu treiben? Hier beginne ich zu interpretieren und es gefällt mir, dass Funcom mir Raum lässt, meine eigenen Vorstellungen von Lorraines Leben zu entwickeln. Ich schleiche von Zimmer zu Zimmer und stelle mir vor, wie das Leben einer allein erziehenden Mutter mit Depressionen sein muss. Ich beginne zuerst mitzufühlen und dann zu erschauern, als ich erkenne, wohin das Ganze führen wird. Ab hier will ich nicht mehr zu viel verraten. Aber die Suche nach Callum bleibt definitiv bis zum Ende spannend.

Kurz, aber intensiv

Insgesamt habe ich etwas mehr als zwei Stunden mit The Park verbracht. Es waren zwei Stunden, in denen ich an den Bildschirm gefesselt wurde, in denen ich das eine oder andere Mal vom Stuhl gehüpft bin, nur um mich wieder hinzusetzen und weiter zu spielen. Und dabei musste ich die ganze Zeit nicht besonders viel tun. Ein wenig herum laufen und hier und da nach Callum rufen. Es gibt keine Kämpfe, keine Rätsel die ich lösen muss. Ich kann in aller Ruhe die, trotz der düsteren Atmosphäre  – oder gerade durch diese – schöne Umgebung betrachten und die Geschichte genießen. Okay, die zu untersuchenden Gegenstände muss ich noch selbst anklicken, aber sonst ist da nicht viel. Aber das ist okay, denn The Park will kein Spiel mit ungewöhnlichem Gameplay sein. Es will für eine kurze Weile unterhalten. Für die kurze Dauer des Spiels, sind die wenigen Spielelemente auch genau richtig gewählt. Wäre die Geschichte und damit das Spiel länger, hätte Funcom für wesentlich mehr Abwechslung sorgen müssen. In das kurze Spiel einen Kampf oder das Lösen von Rätseln einzubauen, hätte Abstriche in der Erzählung der Geschichte bedeutet. So wie das Spiel insgesamt aufgebaut ist, ist es in Ordnung.

Lorraine ist nicht so harmlos, wie man vielleicht denkt.

Lorraine ist nicht so harmlos, wie man vielleicht denkt.

Technisch wirkt The Park solide. Es waren die ersten Gehversuche in einer neuen Engine. Das merkt man dem Spiel bei genauerem Hinsehen auch an. Bestimmt wäre mit der Unreal Engine mehr drin gewesen, was Texturen und auch Gestaltung der Umgebung angeht. Ich fand die Gesichter in The Secret World schon immer etwas gewöhnungsbedürftig. Man hatte oft Angst, dass einem die Augen gleich entgegen springen. Ähnlich sieht es auch hier aus. Mimik (so man Lorraine denn durch die Außenkamera sieht) und Bewegung der Figur ist nicht immer glaubwürdig und etwas steif. Aber ich habe nur für Euch so genau darauf geachtet. Eigentlich geht es um die Geschichte und die lenkt von den steifen Armen der Hauptfigur durchaus ab. Genauso wie die musikalische Untermalung. Die gruselige Atmosphäre wird durch das Gedudel der Jahrmarkt-Musik, die völlig fehl am Platz wirkt, unterstrichen. Es passt in die surreale Welt, in der wir uns bewegen. Immer wieder knackt es im Unterholz oder wir hören das Flüstern des Geistes, der uns die ganze Zeit verfolgt. Ein eisiger Schauer allein bei manchen Antworten von Callum ist gewiss.

The Park ist eine spannende Grusel-Geschichte, die auch was für Fans des Grusels mit wenig Zeit ist. Vor allem lädt The Park Spieler von The Secret World ein, die Geschehnisse in Savage Coast noch weiter zu ergründen. Ich finde, es ist nicht einfach, ohne das Vorwissen, den gesamten Kontext und das Ausmaß der Geschehnisse zu verstehen. Dafür fehlte dann etwas an Informationen und vor allem sollte man sich auf die Erzählweise, wie sie schon in TsW angewendet wird, einlassen können. Funcom erzählt seine Geschichten gerne etwas spezieller. Die eigentliche Horror-Geschichte spinnt nämlich euer kleiner Stephen King in eurem Kopf.

Kleiner Hinweis für TsW Spieler: Wenn ihr das Spiel kauft und im Spiel mit eurem TsW Account verbindet, erhaltet ihr in TsW ein Kostüm (Das Eichhörnchen aus dem Logo) und ein paar Gegenstände geschenkt!

Zusammenfassung
Irgendwann brauchte ich ein Handtuch. The Park hat durch seine dermaßen dichte Atmosphäre und sehr seltenen Schockeffekten geschafft, dass ich geschwitzt habe wie ein Schwein. Und das bei fünf Grad draußen! Als Kenner der geheimen Welt war es eine wahre Freude, nach Savage Coast zurück zu kehren und mehr über die Hintergründe zu erfahren. Die vielen Sidekicks zu Charakteren aus dem MMORPG waren super spannend. Für mich steht fest: The Park ist eines der Highlights in diesem Jahr für mich. Wenn Funcom jetzt noch eine wirklich spannende Geschichte gepaart mit etwas ausgefeilterem Gameplay in ein neues Horror-Spiel packt, das genau so fesselnd ist und einen auf psychischer Ebene das Fürchten lehrt, dann ist der neue Horror-Hit vorprogrammiert!
Gut
  • Sehr dichte Atmosphäre
  • Der Park ist sehr detailiert
  • Angenehmer Grusel
  • Wiedererkennungswert für TSW Spieler
Schlecht
  • Sehr kurz
  • Nur englisch
  • Nicht-TSW Spieler haben nicht viel von manchen Sidekicks
  • Schwaches Ende
7.4
Fair
Spielspaß - 7
Grafik - 7
Sound - 8
Steuerung - 7
Handlung und Charaktere - 8

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Kommentare

Roland

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